Der Biograf als Zeuge

von Irina Kasprick (Kommentare: 0)

Das Bild zeigt eine Kaffeekanne aus Porzellan und ein Blumenkörbchen auf einem Holztisch in einem kleinen Wäldchen.
Eine Oase der Ruhe im Vesbecker Beekepark

 

Rüdiger Safranski schildert in seinem Buch „Zeit“ die verschiedenen Facetten der Zeit. Unser „öffentliches“ Leben ist nach der Uhr getaktet, die nicht unbedingt mit unserer inneren im Einklang tickt. Die menschliche Lebenszeit vergeht mal wie im Flug und mal im Schneckentempo und doch ist sie im Vergleich zur Weltzeit nur einen Wimpernschlag lang − eine erschreckende und faszinierende Vorstellung zugleich.

Die Zeit gliedern wir in Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart, dabei umfasst Letztere den kürzesten Zeitraum, denn sie dauert nur einen Moment und schon ist sie Vergangenheit. Wunderbar beschreibt Safranski, dass der Mensch vor rund früher „eine kleine Insel von Gegenwart, umgeben von einem Ozean von Vergangenheit“ bewohnte. Bevor Nachrichten die „Insel“ erreichten, waren sie längst Geschichte. Heute im Zeitalter moderner Fortbewegungs- und Kommunikationsmittel leben wir weltweit in Gleichzeitigkeit. Wir sind stets aktuell informiert − aber ist das immer ein Vorteil? Weil wir schneller informiert sind, können, wollen und müssen wir größtenteils auch schneller reagieren. Dies führt zu einer Beschleunigung im Berufs- und Privatleben. Doch können wir die vielen Eindrücke wirklich alle verarbeiten? Kommt unsere Seele mit unserem Tempo mit oder „folgt sie einem langsameren Takt?“ Um in diesem beschleunigten Leben zu bestehen, brauchen wir die Uhr, die unseren Zeitplan vorgibt. Die Zeit beherrscht uns!

Doch wir haben laut Safranski die Möglichkeit, mit der Zeit zu spielen. Jeder von uns macht es, ohne sich dessen bewusst zu sein. Wir leben auf unserer Zeitachse, Reisen in die Vergangenheit und Zukunft existieren nicht − und dabei tun wir es täglich! In unseren Träumen und Erzählungen bewegen wir uns frei in der Zeit. Wir sind mit unserem Gesprächspartner in der Gegenwart und tauchen gleichzeitig mit ihm in die Vergangenheit ein oder auch in die Zukunft.

Wenn Sie Ihre Biografie schreiben, spielen Sie ebenso mit der Zeit: Sie holen die Vergangenheit in die Gegenwart und schreiben für die Zukunft − für nachfolgende Generationen. Und dabei wird Ihnen bewusst: „Jeder ist ein letzter Zeuge für Dinge, Menschen und Erlebnisse, die mit ihm unweigerlich verschwinden werden. Weil es dann nämlich keinen mehr geben wird, der sie im Wirklichen festhält. Eine Vergangenheit, die nicht mehr erinnert wird, gibt es nicht …“

Auch Sie sind ein letzter Zeuge! Spielen Sie mit der Zeit in Ihrer Autobiografie und halten so die Vergangenheit fest!

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