Kirchenbücher - ein Familienpuzzle

von Irina Kasprick

Holzkreuz auf dem Schwarmstedter Friedhof
Kirchenbücher als Fundgrube für Familienforschung

 

Kirchenbücher sind Puzzle! Manchmal umfasst es nur die Größe eines Wortes oder Satzes und dehnt sich doch gleichzeitig auf Jahrzehnte bis Jahrhunderte aus. Solche Puzzles fesseln Genealogen auf der ganzen Welt.

Mit den Informationen aus Kirchenbüchern können stückchenweise Generationen einer Familie aneinandergereiht werden. Über die Großeltern lassen sich die Urgroßeltern, die Ururgroßeltern und noch andere „Urs“ ermitteln; wer möchte einschließlich der Nebenlinien. Ungeahntes kann dabei entdeckt werden: So ist nach einigen Puzzleteilen der Urgroßvater und Hoferbe kein Einzelkind mehr, geschweige denn der Erstgeborene. Auch aus Berufsangaben, die teilweise in Kirchenbüchern zu finden sind, lassen sich weitere Schlüsse ziehen. Wenn ein Mann bei der Geburt seines ersten Kindes noch Haussohn war, beim zweiten aber bereits Kötner, dann lässt sich daraus schließen, wann er den Hof seines Vaters übernahm. War es ein Versehen oder Absicht, wenn ein Kirchenbuchführer jahrelang bei Trauungen vor dem Namen der Braut die Angabe Jungfrau oder Witwe einträgt, dies aber bei einer Frau nicht schreibt? Solches Lesen zwischen den Zeilen bringt Ahnenforscherherzen zum Höherschlagen!

Mich faszinieren Kirchenbücher nicht nur wegen der Informationen. Ich bewundere die Sorgfalt der Schreiber, die oftmals die Eintragungen in Tabellen oder Listen vornahmen, was Recherchen wesentlich vereinfacht. Einige malten fast die Wörter, versahen die Buchstaben mit Bogen und Schnörkeln. Dies verschönert einerseits das Schriftbild, erschwert aber andererseits oftmals das Lesen. Nach dem Einlesen in die jeweilige Schrift überwiegt bei mir jedoch die Begeisterung für die Seiten, für das Werk, das vor mir liegt. In manchen Fällen kann das Lesen, abhängig von der Handschrift und der Form der Eintragung, zum Buchstabenpuzzle werden, umso größer ist dann meine Freude, wenn ich es zusammensetzen konnte. Nur ganz selten denke ich beim Entziffern: „Hätte der gewusst, wie viele Menschen sich Jahrhunderte später noch für seine Arbeit interessieren, hätte er sich bestimmt mehr Mühe gegeben und nicht so undeutlich geschrieben.“ 

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