Peter Bachér

von Irina Kasprick

 

Gestern Morgen stellte ich Weihnachtsengel, Räuchermännchen, Spieluhr und Kerzen auf, verzierte alles mit Tannenzweigen, Dekosand und roten Sternchen. Ich hatte dabei das Gefühl, die Sachen gerade erst verpackt zu haben. Doch jetzt naht schon wieder das Weihnachtsfest mit Riesenschritten und somit auch das Jahresende. 365 Tage, dieses Mal sogar 366, sind im Nu vergangen.

Die Zeit rast und ich rase mit, deshalb schenkte mir eine ältere Dame zu meinem Geburtstag im Frühjahr ein Bild mit der Aufschrift „Zeit lassen“. Wenn ich sie in den nachfolgenden Monaten anrief oder besuchte, fragte sie stets: „Steht das kleine Bild noch auf Ihrem Schreibtisch, Irina?“ Das konnte ich mit gutem Gewissen bejahen. Aber scheinbar wirkte ich nicht so ruhig und entspannt, wie ich hoffte, denn sie hakte nach: „Schauen Sie sich das Bild auch an und handeln entsprechen?“ Tja, erwischt!

Vermutlich lieh sie mir deshalb als Urlaubslektüre im Juli das Buch „Lebe jetzt!“ von Peter Bachér mit dem Rat, jeden Tag zur Entspannung ein, zwei Geschichten zu lesen. Beim Kofferpacken lag das Buch allerdings nicht allein da. An seiner Seite befanden sich drei Bücher, die ich schon lange lesen wollte, zwei, die mir meine Tochter empfohlen hatte, eins von meinem Sohn und zwei Sachbücher, die ich unbedingt nach Meinung eines Bekannten lesen sollte: neun Bücher für neun Urlaubstag mit Sightseeing − eindeutig nicht machbar! Ich reduzierte auf fünf und las immerhin zweieinhalb Bücher. Das Buch von Peter Bachér hatte ich mit, aber irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt dafür, der kam erst nach dem Urlaub. Abwasser hatte unseren Keller überflutet (s. Abwasser statt Tischtennis) und nachdem wir das Meiste beseitigt hatten, begann ich mit „Lebe jetzt!“ Schon nach wenigen Seiten begeisterten mich Peter Bachérs Humor, seine schonungslose Direktheit und vor allem sein Jonglieren mit Wörtern. Seine Beschreibungen alltäglicher Begebenheiten regen zum Nachdenken an und wecken das Bewusstsein für das Wesentlich im Leben − und machen süchtig nach mehr. In einem seiner Bücher beschreibt er die Wirkung einer einzigen Zeile − „ein paar aneinandergereihte Buchstaben“ −, die dem Leser nicht mehr aus dem Sinn gehen, weil sie die eigenen Gedanken widerspiegeln. Das Gefühl kenne ich nur zu gut. In seinem Buch „Liebe jeden Augenblick“ sind es für mich die Worte von Hans Carossa: „Leben ist eine Zusammenkunft, zu der immer nur eine begrenzte Zahl geladen ist − und nie wird die Einladung wiederholt.“ Diesen Satz muss man einfach einatmen, tief in sich festhalten und hervorholen, wenn die Alltagshektik droht, die Oberhand zu gewinnen.

Ich wünsche allen eine besinnliche Adventszeit.

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